Es jährt sich …

… das schöne zum dritten und das unschöne zum ersten Mal.

Ich fange mit dem unschönen an:

Letzten Samstag war es genau ein Jahr her, auf den Tag zumindest. Rein vom Datum her war es erst am Sonntag, dem 12.12. Am 12.12.2009 war der Abend, an dem ich mit höllischen Bauchschmerzen ins Krankenhaus musste und das Unheil seinen Lauf nahm. Am Nachmittag hatte ich schon Bauchweh, abends war ich dann  mit meiner Freundin und ihrem Daddy unter Schmerzen noch beim Handball in der SAP Arena. Gegen Mitternacht ging es nicht mehr, ab ins Krankenhaus nach Weinheim. Am nächsten Morgen weiter in die Uniklinik nach HD, dort bin ich rein psychisch schon nicht mehr angekommen. Aufgewacht bin ich erst wieder zwischen Weihnachten und Silvester, auf der Intensivstation in Berlin. Was war geschehen?

Die Schmerzen wurden auch in der Klinik nicht besser, mein Bauch wurde immer praller, Darmverschluss. Sämtliche Versuche, meine Darm frei zu bekommen scheiterten. In Heidelberg versetzte man mich in ein künstliches Koma, weil die Schmerzen unerträglich waren. Ich selbst war da schon weg, hab ich alles nicht mehr mitbekommen. Bis ich in Berlin ankam hatte ich schon einige Not-OPs in Heidelberg hinter mich gebracht, doch war man dort schnell mit seinem Latein am Ende bzw. wurde denen der Fall einfach zu heiß. Schließlich ließen sie sich doch darauf ein, mich nach Berlin zu meinen Spezialisten zu verlegen, gut so. Wäre das nicht passiert, hätte ich Silvester nicht erlebt!

Meine Freundin und meine Familie haben ihr Weihnachten bei mir am Krankenbett auf der Intensiv im Deutschen Herzzentrum Berlin verbracht. Ich wurde beatmet, hatte einen offenen Bauch, keiner wusste, was wird, werde ich das überhaupt schaffen? Wieder richtig bei mir war ich erst kurz vor Silvester, wusste nicht, was geschehen war. Ich dachte zuerst, es wäre etwas mit meiner Lunge, ich hätte eine neue gebraucht und auch bekommen. Denn die Situation kannte ich, eben nur von damals von meiner Transplantation. Doch nach und nach wurde mir erklärt, was geschehen war. Ich hatte wirklich einen Darmverschluss, nicht CF-untypisch, aber ich hatte eben nie zuvor Probleme mit meinem Bauch.

Was das hieß, war fatal für mich: Künstlicher Darmausgang, Beutel am Bauch, das kann nicht sein! Doch wir mussten es akzeptieren und damit umgehen lernen. Mir war klar, sobald irgend möglich, muss dieses Ding wieder weg! Aber daran war erst mal nicht zu denken, ich war zu labil. Durch das Koma hatten meine Muskeln so sehr abgenommen, ich konnte mich nicht mehr bewegen, musste alles wieder lernen. Laufen, essen, alles. Das war ein harter, sehr harter und anstrengender Weg, den ich aber gemeinsam mit meiner Freundin, meiner Familie, Ärzten, Schwestern und Physiotherapeuten gemeistert habe! Es dauerte bis Anfang/Mitte März, bis ich wieder selbst aufstehen und „laufen“ konnte.

Im April wurde ich dann nach Mannheim verlegt, der Genesung wegen, heimatnah! Nach zwei Wochen hier durfte ich endlich wieder nach Hause, nach gut vier Monaten! Weihnachten haben wir dann nachgefeiert, so gibt es in diesem Jahr für uns zwei Weihnachtsfeste. Es ging anschließend gleich in Reha, was mir sehr viel gebracht hat und ich auch wieder fitter auf den Beinen war!

Tia und dann, dann stand die große OP an, die Darmrückverlegung. Denn es war klar, ich will nicht länger als nötig mit diesem künstlichen Ausgang leben! Also wieder nach Berlin, mein Schatz hat mich begleitet und ist auch die ganze Zeit bei mir geblieben. Doch ging alles nicht so einfach, wie wir es uns dachten. Nach einer Woche Vorbereitung war die schwere OP, ging alles gut. Doch danach hat es ziemlich lange gedauert, bis alles so war, wie wir es uns erhofft haben. Viele Aufs und Abs, mein Darm und mein Magen wollte nicht so gleich in Gang kommen. Viele Tränen, viele Momente in denen wir dachten, warum das alles, warum nur … Doch wir haben es gemeinsam durchgestanden und auch geschafft, am Ende war alles gut, ich musste zwar mit einem noch kleinen Löchlein auf dem Bauch nach Hause, das konnte aber von alleine verheilen. Und nun war es schon Anfang Juli, hat also ein ganzes halbes Jahr in Anspruch genommen, die schwersten sechs Monate, die wir je hatten. Doch hat uns die Zeit noch enger zusammen geschweißt, uns bricht nichts mehr, wir sind unkaputtbar 🙂

Sooo und nun zum schönen Teil:

Gestern, am 14.12., war Johanna’s und mein dritter Jahrestag. Drei Jahre sind wir schon zusammen, drei wunderbare Jahre, vom ersten halben in diesem mal abgesehen. Wir haben viel erlebt und durchgemacht.

Am 14.12.2007 sahen wir uns zum ersten Mal (zumindest richtig) in die Augen und waren beide gleich verliebt. Ich glaube, schon an diesem ersten Tag wussten wir beide, dass wir zusammen gehören, für immer! Damals haben wir uns auf dem Weihnachtsmarkt in Mannheim getroffen, haben Glühwein getrunken und waren im Kino.

Traditionell werden wir das auch in diesem Jahr machen wie immer. Wir gehen auf den Weihnachtsmarkt und ins Kino, den Tag darauf werd ich meine Süsse noch zum Essen ausführen. Es ist ein besonderer Jahrestag für uns, und das nicht nur, weil unser zweiter im letzten Jahr so schrecklich druchkreuzt wurde. Aber dazu bald mehr …

Insofern bleibt mir nur noch zu sagen: „Mein Schatz, ich danke Dir für drei wunderbare Jahre, ich danke Dir, dass du auch in dieser schwersten Zeit bei mir geblieben bist und mir Kraft gegeben hast. Alleine wegen Dir hab ich das alles geschafft, weil ich wusste, es gibt etwas, wofür es sich lohnt zu kämpfen! Ich liebe Dich!“

Andy

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